Was passiert im Körper bei einer Panikattacke?
Herzrasen. Schwindel. Enge im Brustkorb. Das Gefühl, keine Luft zu bekommen oder die Kontrolle zu verlieren.
Wer eine Panikattacke erlebt hat, weiß: Sie ist körperlich. Hoch real. Manchmal so intensiv, dass viele Menschen beim ersten Mal den Notruf wählen – in der festen Überzeugung, ihr Herz gibt auf.
Und dann stellt sich heraus: Es war „nur Angst".
Diese Aussage fühlt sich für viele Betroffene wie eine Entwertung Ihres Empfinden, anstatt wie eine Entwarnung. Nur Angst - als wäre das, was gerade passiert ist, nicht wirklich gewesen.
Dabei ist das Erleben einer Panikattacke körperlich und real, auch wenn von außen nichts zu sehen ist. Was dabei im Körper passiert, lässt sich gut erklären.
Das Nervensystem und der Alarmzustand
Um zu verstehen, was bei einer Panikattacke passiert, hilft ein kurzer Blick auf das autonome Nervensystem.
Es gibt zwei „Modi", zwischen denen unser Körper ständig wechselt:
Der Sympathikus ist der Aktivierungsmodus, der zuständig für Anspannung, Reaktion, Mobilisierung ist. Der Parasympathikus wiederum ist der Erholungsmodus und ist zuständig für Ruhe, Regeneration und Verdauung.
Im Alltag pendeln wir zwischen diesen beiden Polen. Das ist normal und gesund.
Bei einer Panikattacke jedoch schaltet der Sympathikus schlagartig in den Hochbetrieb. Das Nervensystem gibt Vollalarm, so als wäre eine unmittelbare Bedrohung vorhanden. Der Körper reagiert darauf so, wie er es seit Jahrtausenden tut: er bereitet sich auf Kampf oder Flucht vor.
Das Problem dabei ist: Es gibt keine Bedrohung, die Sie bekämpfen oder vor der Sie fliehen können.
Was im Körper konkret geschieht
1. Der Alarmknopf wird gedrückt
Im Gehirn, genauer gesagt in der Amygdala, dem Teil, der für die Verarbeitung von Bedrohungssignalen zuständig ist, wird ein Alarmsignal ausgelöst. Oft schneller, als der bewusste Verstand überhaupt einordnen kann, was gerade passiert.
Diese blitzschnelle Reaktion ist kein Fehler des Systems. Sie dient als eine Schutzfunktion, die ursprünglich dafür gedacht war, um in echter Gefahr sofort handlungsfähig zu sein.
2. Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet
Auf das Alarmsignal hin schüttet der Körper Stresshormone aus - vor allem Adrenalin. Das löst eine Kettenreaktion aus:
Das Herz beginnt schneller zu schlagen, um Muskeln und Organe mit mehr Blut zu versorgen. Die Atmung beschleunigt sich oder verändert sich. Die Muskeln spannen sich an. Die Sinne schärfen sich.
All das sind Vorbereitungen für schnelles körperliches Handeln.
3. Das Herz rast
Das Herzrasen bei einer Panikattacke ist oft das erste und beunruhigendste Symptom. Es entsteht durch die Adrenalinausschüttung, ist physiologisch vollkommen erklärbar und für einen gesunden Körper in der Regel ungefährlich.
Trotzdem löst es sofort Alarm aus. Und die Gedanken können sich verselbstständigen: Ist das mein Herz? Passiert da gerade etwas? Diese Bewertung wiederum verstärkt die Alarmreaktion.
4. Die Atmung verändert sich
Viele Menschen atmen bei Panik flacher, schneller oder hyperventilieren und atmen somit also zu viel Kohlendioxid ab. Das verändert den Säure-Basen-Haushalt im Blut und kann Kribbeln, Taubheitsgefühle, Schwindel und das Gefühl von Benommenheit auslösen.
Auch wenn es sich in diesem Moment bedrohlich anfühlt - rein körperlich ist es das nicht.
5. Blut wird umgeleitet
Der Körper sorgt dafür, dass lebenswichtige Strukturen im Alarmfall bevorzugt versorgt werden: große Muskelgruppen, Herz, Lunge. Gleichzeitig wird die Durchblutung in anderen Bereichen reduziert, wie unter anderem in Händen und Füßen, manchmal auch im Verdauungssystem.
Das kann sich auch wieder äußern wie Kribbeln in den Fingern, Übelkeit, Kälteschauer oder das Gefühl, der Boden unter den Füßen wäre nicht mehr ganz real.
6. Das Gehirn verändert seine Prioritäten
Im Alarmzustand wird der präfrontale Kortex - der Teil des Gehirns, der für rationales Denken, Einordnung und Impulskontrolle zuständig ist - kurzfristig weniger aktiv. Das limbische System, das emotionale und reaktive Zentrum, übernimmt dadurch.
Vor Allem drückt spiegelt das etwas wieder, was viele Betroffene beschreiben: Ich weiß rational, dass ich sicher bin. Und trotzdem kann ich mich nicht beruhigen.
Dieses Erleben hat einen guten Grund, denn der Körper reagiert in diesem Zustand schlicht schneller als der Verstand einordnen kann.
Der Kreislauf, der Panik am Laufen hält
Was Panikattacken so erschöpfend macht, ist nicht nur der Moment selbst, sondern das, was danach passiert.
Denn oft entsteht daraus ein Kreislauf:
Die körperlichen Symptome wie Herzrasen, Schwindel, Atemnot werden als Bedrohung wahrgenommen. Diese Bewertung verstärkt den Alarm.
Und dadurch werden noch mehr körperliche Symptome erzeugt und diese Symptome werden erneut als Gefahr eingeordnet.
Und so dreht sich die Spirale, manchmal über ein/zwei Minuten, manchmal etwas länger.
Hinzu kommt: Viele Menschen beginnen nach der ersten Panikattacke, ihren Körper sehr genau zu beobachten. Schlägt mein Herz gerade schneller? Werde ich schwindelig? Was, wenn es gleich wieder losgeht?
Diese Selbstbeobachtung ist nachvollziehbar, denn sie soll schützen. Gleichzeitig hält sie das System in einer Art Dauerwachheit immer knapp unterhalb der Alarmschwelle. Das kann immens Kraft kosten, auch dann, wenn gerade keine Attacke stattfindet.
Warum der Körper „in die Irre geht"
Eine Panikattacke ist im Kern eine Fehlinformation: Das Nervensystem meldet Gefahr, obwohl keine da ist.
Wie kommt es dazu?
Ein Nervensystem, das über längere Zeit unter Druck stand, beispielsweise durch Stress, Schlafmangel, chronische Belastung, unverarbeitete Erlebnisse, reagiert oft sensitiver. Es ist sozusagen auf erhöhte Bereitschaft eingestellt. Als langfristige Auswirkung stellt man daher häufig eine immer weiter sinkende Schwelle fest, ab der Alarm ausgelöst wird.
Dann reicht manchmal wenig: Eine enge U-Bahn. Ein wichtiges Meeting. Eine schlecht geschlafene Nacht. Ein einzelner körperlicher Reiz, der unter anderen Umständen völlig unbemerkt geblieben wäre.
Das bedeutet nicht, dass mit Ihrem Körper etwas grundsätzlich nicht stimmt. Es bedeutet, dass Ihr System unter Druck steht und Signale nicht richtig verarbeiten kann.
Was hilft – und was eher nicht
Eine Panikattacke lässt sich nicht „wegdenken". Das Nervensystem reagiert schneller als der Verstand.
Was in dem Moment helfen kann:
Ausatmung verlängern. Ein längeres Ausatmen als Einatmen kann das Nervensystem direkt beruhigen über den Parasympathikus, den Gegenspieler des Alarmzustands. Wenn Sie möchten: vier Sekunden einatmen, sechs bis acht Sekunden ausatmen. Im besten Fall gestalten Sie das Ausatmen durch den Mund und mitsamt Lippenbremse. (Lippen machen nur zu einem kleinen Loch auf, um den Atem behutsam und reduziert hinausströmen zu lassen)
Den Boden spüren. Füße auf dem Boden wahrnehmen, Druck spüren, Temperatur fühlen. Das gibt dem Nervensystem eine Orientierung im Hier und Jetzt.
Nicht gegen die Symptome ankämpfen. Der Impuls, die Panik sofort stoppen zu wollen, ist verständlich. Aber häufig verstärkt der Widerstand eher die Aktivierung. Manchmal hilft die innere Haltung: Ich weiß, was das ist. Es ist unangenehm. Und es geht wieder vorbei.
Was eher nicht hilft - zumindest langfristig - ist Vermeidung. Wenn Sie Situationen meiden, in denen Panik aufgetreten ist, gibt es zwar kurzfristige Erleichterung, jedoch lernt langfristig das Nervensystem dabei nicht: Ich kann das. Es lernt: Gut, dass wir hier nicht hingegangen sind.
Wenn Panik mehr als nur ein einzelnes Ereignis ist
Manche Menschen erleben eine einzige Panikattacke in ihrem Leben und damit hat es sich. Für andere wird sie zu einem wiederkehrenden Muster mit wachsender Angst vor der nächsten Attacke, mit zunehmender Einschränkung im Alltag, mit einer inneren Anspannung, die kaum noch nachlässt.
Dann ist Panik nicht mehr nur ein einzelnes körperliches Ereignis. Dann ist sie Teil eines größeren Bildes aus Belastung, Erschöpfung, Alarmbereitschaft und Mustern, die sich über Zeit entwickelt haben.
In solchen Fällen reicht es meist nicht, die Symptome zu managen. Es braucht einen Blick auf das Zusammenspiel: Was hält das System in dieser Alarmbereitschaft? Was würde dem Nervensystem helfen, wieder in Sicherheit zu kommen?
Genau das ist Arbeit, die in einem guten therapeutischen Rahmen möglich ist.
Zum Schluss
Wenn Sie nach einer Panikattacke das Gefühl hatten: Das war so real. Wie soll das nur Angst sein? → Dann ist das eine verständliche Frage.
Das Erleben ist real. Und der Körper hat in diesem Moment getan, wofür er ausgestattet ist: er hat reagiert, mobilisiert, Alarm gegeben. Das passiert nicht, weil jemand zu empfindlich wäre oder zu wenig Kontrolle hätte. Es passiert, weil das System unter Druck steht.
Und daran lässt sich arbeiten.
Wenn Sie unter wiederkehrenden Panikattacken, dauerhafter innerer Alarmbereitschaft oder Angst vor der nächsten Attacke leiden, begleite ich Sie gerne in meiner Praxis für Psychotherapie in München. In einem ruhigen, persönlichen Rahmen schauen wir gemeinsam hin – auf das, was Ihr Körper meldet, und auf das, was Veränderung möglich machen kann.
Weil Sie eine Begleitung verdienen, die genau zu Ihnen passt!
Ich bin Ramona Binöder, Heilpraktikerin für Psychotherapie in München-Hadern. In meiner Privatpraxis begleite ich Erwachsene mit einem integrativen Ansatz, der systemische Gesprächstherapie, Nervensystemregulation und körperorientierte Methoden verbindet – auf mentaler, emotionaler und körperlicher Ebene.
Weitere Informationen dazu finden Sie unter meinem Therapieansatz.

